Wenn die Bienen schweigen
304 Seiten

Seit vor Jahrzehnten die Bienen ausgestorben sind, müssen Jess und andere Mädchen ihres Alters die Bäume von Hand bestäuben, bis sie schließlich alt genug sind, um verheiratet zu werden. Jess hasst dieses Leben, in dem sie nichts selbst bestimmen kann, aber erst, als ein freundlicher Wärter ihr Farben schenkt, weckt er in ihr damit den Funken der Rebellion. Sie malt mit den Pinseln aus Mädchenhaar, die eigentlich zum Bestäuben da sind, eine Tür, die den anderen Mädchen die Freiheit zeigt, die sie stattdessen haben könnten. Doch es ist nicht leicht, diesen Funken weiter anzufachen, denn das Camp hat so seine eigenen Methoden, um die Treue der Mädchen zu sichern …

Diese Dystopie zeigt eine erschreckende Zukunftsvision, die gar nicht mal so unrealistisch ist, obwohl ich mir gerne wünschen würde, dass sie es wäre. Man folgt Jess und den anderen Mädchen dabei, wie sie ihre Arbeit, Freund- und Feindschaften sowie die Versuche eine Rebellion bewältigen, wobei für sehr lange Zeit nur wenig Hoffnung herrscht. Falls doch welche aufkommt, wird sie recht schnell zerstört, was zwar betont, wie schwer es die Mädchen haben, aber auch für ein sehr hoffnungsloses Leseerlebnis sorgt. Zugegeben denke ich, dass das durchaus beabsichtigt ist, zumal am Ende dann doch noch ein Versprechen auf Hoffnung besteht, aber letztendlich hat es mich ganz schon runtergezogen, das Buch zu lesen.

Dabei ist es eigentlich recht nüchtern erzählt, die Spannung bleibt eher niedrig, während das Leben im Camp beschrieben wird; die meisten Charaktere bleiben ebenfalls blass, wobei ich jedoch Cass, Jess‘ beste Freundin, sowie Eliot, den hilfsbereiten Wärter, sehr mochte. In Cass‘ Handlungsstrang war ich zudem recht investiert.

Komplizierter sieht es bei Charmian aus, deren Handlungsstrang ebenfalls faszinierend ist, weil sie als treue Camp-Arbeiterin startet, aber nicht so bleibt. Diese Entwicklung hat mir überraschend gut gefallen, zumal mir Charmian für lange Zeit sehr unsympathisch war, doch war ich nicht zufrieden damit, wie ihre Geschichte abgeschlossen wurde. Hier hätte ich mir ein anderes Ende gewünscht, weil die Implikationen dann doch unglücklich sind.

Was ich dafür wieder gut fand, war das Worldbuilding und der Rückblick auf unsere Welt. Es war unglaublich faszinierend, Jess‘ Gedanken zu unserer aktuellen Gegenwart zu lesen, nicht nur, weil sie selbst ganz anders lebt, sondern auch, weil ihre Gedanken auch mich zum Nachdenken gebracht haben.

Insgesamt würde ich das Buch immer noch empfehlen, aber nur an diejenigen, die düstere Dystopien mögen.

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