Skipshock
559 Seiten

Im Zug von Cork nach Dublin landet Margo auf unerklärliche Weise in einem anderen Zug, in einer anderen Welt: Einer Welt, in der es Zeitzonen gibt, die die Länge der Tage und damit die Länge des Lebens bestimmen. Moon, ein Handlungsreisender, hilft ihr und bringt sie nach New Davia, einer Sechs-Stunden-Stadt, um herauszufinden, was er mit ihr tun soll. Margo möchte unbedingt wieder nach Hause, doch je länger sie in dieser Welt verbringt, desto mehr wünscht sie sich, den Bewohnern zu helfen. Doch die Garde hat es auf sie abgesehen und bald schon muss Margo zusammen mit Moon flüchten – und versuchen, eine Revolution in Gang zu setzen …

Das Prinzip der Geschichte ist wirklich großartig umgesetzt: Caroline O‘Donoghue ist es wirklich fantastisch gelungen, die Atmosphäre einer Stadt mit kurzen Tagen einzufangen. Denn das Faszinierende dabei ist, dass die Regel „ein Tag ist ein Tag“ gilt: Egal, wie viele Stunden ein Tag an einem bestimmten Ort hat, der Körper empfindet es als einen vollen Tag, während dem man je nach Zeitzone schneller oder langsamer altert. Gerade, weil Margo selbst natürlich an einen Vierundzwanzig-Stunden-Tag gewöhnt ist, war es leicht, sich in ihr Entsetzen und ihre Bestürzung, aber auch in ihre Freude hineinzuversetzen, als sie mit den verschiedenen Tageslängen und ihren Vor- und Nachteilen konfrontiert wird. Wir erleben im Buch drei Städte mit drei verschiedenen Tageslängen, wobei mir vor allem die beiden kürzesten gefielen, weil deren Umsetzung so gut war.

Wichtig ist es, dass es wegen der Verfolgungsjagd zwar einige spannende Momente gibt, die Geschichte aber vor allem von ihrer melancholischen Atmosphäre lebt, den verschiedenen Leben der Menschen in den schnelllebigen Städten. Ich wünschte, wir hätten speziell die Menschen, die ab der Mitte der Handlung eingeführt wurden, näher kennengelernt, weil ich eine starke Bindung zu den Charakteren in New Davia hatte und traurig war, dass die allermeisten keine längerfristige Relevanz hatten.

Margo und Moon sind dafür beide sehr sympathische Protagonisten. Ihre Romanze fand ich „nur“ gut (sie war nicht schlecht, aber auch nicht phänomenal), aber die Charaktere selbst haben mir sehr gefallen und gerade Moons Leben hat mich sehr interessiert. Als Lunati, der fast sein gesamtes Volk verloren hat und an starkem Skipshock leidet (im Grunde die extreme Version einen Jetlags), war ich sehr investiert daran, wie er sein Leben in den Griff bekommen würde. Aber auch Margo und ihre langsame Entschlossenheit, den Menschen in den verschiedenen Städten zu helfen, gefiel mir sehr und machte sie zu einer guten Protagonistin.

Insgesamt eine atmosphärische Geschichte, die den Wert der Zeit hervorragend aufzeigt!

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