Das White Octopus Hotel
384 Seiten

Als ein älterer Mann namens Max Everly Eve einen kleinen Oktopus schenkt, hört sie auf diese Weise zum ersten Mal vom White Octopus Hotel, das damals im Jahre 1935 schloss. Dennoch hat sie das Gefühl, als Kind schon einmal dort gewesen zu sein; und gerüstet mit einem Schlüssel zum Zimmer 27, das nicht zu existieren scheint, macht sie sich auf zum Hotel, um dort in die Vergangenheit zu reisen und an einer Schnitzeljagd teilzunehmen. Der Preis: Briefpapier, mit dem man seinem vergangenen Ich schreiben kann und mit dem Eve hofft, eine vergangene Tragödie abzuwenden. Hier trifft sie auf den jungen Max Everly, der ihr bei der Schnitzeljagd hilft – und Eve bereits zu kennen scheint …

Natürlich hatte ich sofort Interesse an diesem Roman, sobald ich las, dass er Zeitreisen beinhaltet, doch leider hat mich die Umsetzung nicht ganz überzeugt. Denn so interessant die Verbindungen zwischen den verschiedenen Zeiten und Charakteren letztendlich wurden, konnten sie leider nicht davon ablenken, dass die Handlung allgemein sehr wirr, schwer zu folgen und teils recht ereignislos war.

Doch von Anfang an: Eve und Max waren recht sympathische Protagonisten und ich war sehr investiert in deren Traumata, die ausführlich thematisiert werden. Mit ihrer Romanze habe ich zwar nicht besonders mitgefiebert, aber die Charaktere selbst mochte ich sehr. Auch die Art und Weise, wie ihre jeweiligen Vorkenntnisse benutzt wurden, um ihre Beziehung interessant zu gestalten, war großartig – der Zeitreiseaspekt war hier sehr erfolgreich.

Gegen Ende wusste ich auch die anderen Verbindungen zu schätzen, die ich bis dahin natürlich nicht verstand und deshalb nicht als interessante Handlungselemente ansah. Insofern lohnt es sich zumindest in diesem Aspekt, durchzuhalten: Die Verbindungen, die gegen Ende geknüpft werden, haben die ganze Handlung positiv beeinflusst.

Aber ja, leider muss man bis dahin so einige Handlungselemente in Kauf nehmen, die bestenfalls verwirrend und schlimmstenfalls sinnlos sind. Es gab mehrere albtraumhafte Szenen, in denen ich keinen Sinn erkennen konnte und deren bloße Existenz mich so verwirrt zurückließ, dass ich gar nicht mehr wusste, was eigentlich vor sich geht. All diese Szenen waren für mich ein sehr großer Kritikpunkt, denn sie nehmen einen beträchtlichen Teil der Handlung ein und selbst im Nachhinein habe ich keine Ahnung, was genau es mit ihnen auf sich hatte. Teils wirkte der Roman sogar wie ein wirrer Traum, in dem es keine Logik und keine Erklärungen gibt.

Auch die eigentliche Handlung, die aus der Schnitzeljagd besteht, konnte mich nicht überzeugen, denn sie war nicht besonders spannend geschrieben, vor allem, weil es keinerlei Risiken gab, die die Charaktere eingehen mussten, um sie zu bestehen. Es war eine einfache Suche, nicht mehr und nicht weniger, und gerade deshalb nicht geeignet, um mich am Ball zu halten.

Insgesamt hatte die Lektüre also ein überraschend zufriedenstellendes Ende, dafür aber einen sehr mühsamen Weg, der sich leider nicht für alle Leser:innen lohnt.