Wann wird man beim Lesen eines empowernden Sachbuchs bzw. Plädoyers für Feminismus schon von anderen Personen darauf gefragt, was einen so erheitere? Dieses Buch ist wie der ihm zugrunde liegende Podcast: einfach eine Wucht: witzig, klug, sachlich und mitreißend – und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger, im Gegenteil. I’m a feminist, but instead of promoting this book I had to listen to the #ThreeGayMichaels episode over and over again. (Folge 119, so ab Minute 15:22)
Wie der Erzähler hier seinem Sohn dessen Herkunft erzählt, in vielen kleinen Episoden, das mag ich so an Verhulst. Was ich nicht so mag, ist dass der behinderte Sohn des Erzählers nur Vehikel für die ganze Erzählung ist. Womit ich gekämpft habe: die Sprache. Aber ich arbeite an meinem Niederländisch, und für das Wissen um Belgizismen haben mir Serien wie „Beauséjour“ und auch sehr geholfen.
Sollte Standardlektüre sein für alle, bevor sie sich über „die Politiker“ auslassen wollen.
Der Klappentext nennt es „A high-octane thriller“, ich sehe darin mehr eine Farce, but alas. Das Buch macht auch Spaß, wenn man es ernstnimmt, aber das muss man nicht. Wenn man bedenkt, dass ich es mir ursprünglich nur gekauft habe, weil auf der ersten Seite eine Perlenkette mit Halten des Tōhoku-Shinkansen abgebildet ist, und ebenjener in Omiya hält, wozu es bei „Jet Lag: The Game“ ein wenig Verwirrung gab, dann hatte ich wohl ein glückliches Händchen. Die Verfilmung mit Brad Pitt kann man sich übrigens auch mal anschauen. Sie bricht mit so einigen Erwartungen.
Wie kaum ein anderes Buch (abgesehen vielleicht von meiner geliebten Mevrouw Verona) ist es eine so leichtfüßige und hoffnungsvolle Ode an das Leben im Angesicht des Todes.
Mein absolutes Lieblingsbuch
Ein Buch über die Geschichte des römischen Reichs, das eben nicht von Kriegen, Senatoren, Mord und Totschlag erzählt, jedenfalls nicht nur, denn natürlich waren auch die Frauen im Römischen Reich von den „großen“, „berichtenswerten“ Dingen betroffen. Klar geht es auch um die bekannten Eckdaten, die man in der Schule mal kennengelernt haben könnte, aber da sind auch viele neue Einblicke und Perspektiven dabei.
Was das Buch aber für mich so besonders macht, ist dass ich der Autorin Dr. Emma Southon förmlich ihre „zero fucks given“-Attitüde, ein herzhaftes „Oah, Männer!“ zwischen den Zeilen, nein AUS den Zeilen entnehmen kann, und dass sie sich trotzdem nicht allzu ernst nimmt. Um nur eine Stelle über die Gründung Roms zu zitieren: “Like all new spaces that seem full of opportunity for those who have little to lose (the Wild West, cryptocurrencies), early Rome primarily attracted men of a — shall we say — challenging temperament.” Oder über die Vestalinnen (römische Priesterinnen, die u.a. Heiligtümer im Tempel der Vesta zu bewachen hatten): “Now the reason I’m telling you this, even though it is not strictly relevant, is that the sacred objects were kept in a special room, a room only these six lifelong virgins could legally enter, these women who would never experience the touch of a man. The Romans called that room the penus. Now straight back to the important stuff. […] In certain ways, the Vestals — with their protection of the hearth and the penus (stop it) — were Rome.”
In anderen Worten: Ja, das Buch ist interessant, aber es ist auch lustig – und das ist vielleicht für ein Buch, das einen altbekannten Thema eine neue Perspektive abgewinnen will, vielleicht nicht die schlechteste Kombination.
Selten habe ich ein Buch gelesen, das so nüchtern ein Land zu porträtieren versucht, aber wen das nicht abschreckt, der hat das Schlimmste eigentlich schon geschafft.