Lesetagebuch
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Die Klavierspielerin
 288 Seiten

Unangenehm und doch genial. Faszinierende Sprache die präzise, schonungslos, bildungsbürgerlich, frech und witzig sein kann. Manchmal sogar alles zugleich. Dennoch durchzieht den Roman eine spannende Unklarheit, manchmal bleibt offen wer gerade spricht, oder ob überhaupt jemand spricht. Situationen werden in einer Weise erzählt die den inneren Kämpfen und dem Durcheinander der Protagonistin entsprechen.

Unendlicher Spaß
 1545 Seiten

Im zweiten Anlauf und nach gerade noch endlichen 6 Monaten kann und muss ich mich jetzt von meinem Nachttisch-Kumpanen „Unendlicher Spaß“ verabschieden.

Auf den Inhalt des Romans einzugehen macht wenig Sinn, denn dieser ist viel zu breit (weil von Tennis über Drogenabhängigkeiten aller Art und Coleur, Depression, den Anonymen Alkoholikern, einer alternativen Zukunft in der die USA, Mexiko und Kanada einen Staatenbund, die „O.N.A.N.“ – pun intended - bilden, Terror gegen diesen Staatenbund, Kapitalismus und Konsum, usw. wirklich nichts ausgelassen wird) und zu tief (weil gefühlt jedes dieser angesprochenen Themen bis zu seinem absoluten Fundament ergründet wird, zur Not gerne in der jeweiligen Fachterminologie). So viel sei nur gesagt: diese Detail- und Sprachverliebtheit mit unendlicher Zeit für jeden Aspekt des Romans hat mir Aufregung, Spaß so groß, dass mir das Buch vor Lachen aus der Hand fiel, Entsetzen bei manchen geschilderten Drogen“familien“ und zerrütteten Existenzen aber manchmal auch Genervtheit oder Langeweile beschert, wenn ich z.B. 100 Seiten lang über einen absolut belanglosen Dialog auf einer Klippe in der Wüste zwischen zwei Doppelagenten lesen muss, die sich nichts zu sagen haben, der zu allem Überfluss auch noch eine komplette Nacht lang andauert.

Trotzdem ein atemberaubender, außergewöhnlicher und unglaublicher Roman der sich, bestimmt mit Absicht, in wirklich gar keine Kategorie (außer vielleicht „Opus Magnum“) zwängen lässt.

↑ 2022
2021 ↓
& Das Glücksdiktat
 242 Seiten

Interessanter Blick auf den Hype um Glück und dessen Ursprünge. Leider neigt das autorenduo zur fast schon krankhaften Wiederholung. Was mir außerdem regelmäßig aufgestoßen ist: der Übersetzer wechselt ohne Muster dauernd zwischen gendern, generischem maskulinum oder auch rein weiblicher Form. Ich störe mich sonst an keiner der beiden möglichen Formen, wenn sie denn konstant durchgehalten werden. So ist es mir leider ca. 3 Mal pro Seite aufgefallen. Muss nicht sein, wenn es doch eigentlich um Inhalte gehen soll. Lieber Suhrkampverlag, nächstes mal bitte wieder lektorieren.