Nobody's Quest
555 Seiten

Soli ist ein Niemand – und damit genau die richtige Person, um die Kriegsgöttin Corvynne zu besiegen und deren Schwester Artemisen aus der Gefangenschaft zu befreien. Durch diese wörtliche Interpretation einer Prophezeiung wird Soli zur Trägerin des Amuletts, das ihr bei ihrer Quest helfen soll. Und sie ist nicht allein: Der Prinz Kaelen, die Magierin Elianna, der Dieb Trick, die Kriegerin Chitai, der Lord Andras, der Soldat Bern und der Sergeant Neville begleiten sie auf ihrer Reise. Doch letztendlich liegt es an Soli, die Bürde der Göttin zu tragen und sie ist sich nicht sicher, ob sie dafür wirklich die Richtige ist …

Diese Geschichte baut auf einem guten Prinzip auf und hat eine absolut großartige Protagonistin, aber leider überzeugten mich sowohl die Romanze als auch die Nebencharaktere nicht genug, um für eine insgesamt gute Lektüre zu sorgen.

Aber fangen wir mit Soli an. Sie war die wohl größte Stärke des Romans, weil sie zum einen mutig, klug und witzig war, aber auch eine gut umgesetzte Charakterentwicklung durchmachte, durch sie sie lernt, sich selbst wichtiger zu nehmen. Die Art und Weise, wie „das Grau“, unter dem sie leidet, beschrieben wurde, war emotional und realistisch – im Nachwort geht die Autorin auf die Depressionen ein, mit denen sie zeit ihres Lebens kämpfen musste und die Szene, in der Soli von einer überwältigt wird, gehörte zu den wohl besten im Roman. Und das ist noch nicht mal alles: Soli hat auch kleine Gewohnheiten, die sie mir sehr sympathisch machten, wie die Art und Weise, wie sie sich Wörter ins Haar flicht, die sie inspirieren sollen, oder wie sie ihre Heldin Wynona Wavedancer zitiert, wann immer sie sich Mut zusprechen will. Allgemein zitiert sie stets, wo sie ihre Informationen herhat, was wieder ein Charakterzug war, den ich schlicht sympathisch fand.

Leider überzeugten mich die anderen Aspekte des Romans dafür nicht besonders. Die Romanze mit Kaelen beispielsweise passiert viel zu plötzlich, die beiden haben keine Chemie miteinander und die einzige Anziehung, die sie verspüren, bezieht sich ausschließlich auf körperliche Attribute. Immer, wenn Soli sich auf ihn konzentrierte, schien sie zumal ihre ganzen positiven Eigenschaften zu verlieren, was nicht gerade dazu beitrug, die Romanze selbst zu mögen.

Die anderen Charaktere haben bis auf eine Ausnahme keinen starken Eindruck bei mir hinterlassen; tatsächlich finde ich sogar, dass die Kurzbeschreibung sie interessanter klingen lässt, als sie es tatsächlich sind. Denn die Kurzbeschreibung deutet an, dass die Nebencharaktere, auch wenn sie keine eigene Sichtweise erhalten, trotzdem eine eigene Quest mit sich bringen, aber letztendlich blieben fast alle blass und wir erfahren kaum etwas über sie.

Eine Ausnahme davon bildet die Magierin Elianna. Ich mochte sie wirklich gern, wir lernen ein wenig etwas aus ihrer persönlichen Geschichte kennen, sie war allgemein sympathisch und hatte eine tolle Chemie mit der Kriegerin Chitai (die zugegeben auch sehr cool war). Aber die anderen? Leider nicht. Andras und Neville hätten wohl auch weggelassen werden können und Trick und Bern hatten zwar Potential, aber leider wurde es nicht vollständig genutzt. Hier hätte ich mir wirklich gewünscht, dass Soli weniger Zeit mit Kaelen verbracht hätte und dafür mehr Zeit, die Motivationen der einzelnen Charaktere kennenzulernen.

Die eigentliche Handlung, die aus der Suche nach zwei Schlüsseln besteht, war durchaus gut, auch wenn das Ende ein wenig plötzlich war. Letztendlich werde ich leider nicht weiterlesen, weil Soli zwar eine großartige Protagonistin war, sie selbst aber nicht ausreichte, um mich zum Weiterlesen zu motivieren.