Bücherregal lädt …
Zugwind
301 Seiten

Iryna Fingerovas Protagonistin ist Mira Zehmann, eine junge ukrainische Ärztin, die noch vor der russischen Invasion nach Deutschland kam. Die ukrainischen und russischen „Landsleute" stehen Schlange bei ihr und möchten behandelt werden. Die unterschiedlichsten Verletzungen und Krankheiten sind da zu versorgen, der Krieg hinterlässt seine Spuren bei Körper, Seele und Geist. Und manchmal greift Mira auch zu unkonventionellen Mitteln.

Neben all dem Leid fragt sich Mira, wie sie ein normales Leben führen kann und ob sie das überhaupt darf. Denn neben ihrem Beruf als Ärztin sind da auch noch ihr Mann und ihre Tochter. Zudem schlägt ihr Herz für die Literatur. So schwankt sie hin und her zwischen der Angst und Hilflosigkeit angesichts des Krieges, der Fremdenfeindlichkeit und dem Rassismus, wovon sie als Jüdin doppelt betroffen ist, einerseits und trotz allem dem Wunsch nach Liebe, Freude und Leben andererseits. Und gerade die Reise nach Odesa, in ihre Heimatstadt, wo ständig mit Bomben zu rechnen ist, öffnet ihr die Augen.

Ein Roman, dem auch eine Prise Humor nicht abgeht. Man spürt, dass viel von Iryna Fingerova, die selbst als Ärztin in Deutschland lebt, in der Figur Mira Zehmann steckt. Das gibt dem Buch eine hohe Glaubwürdigkeit.