Lesetagebuch
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Bücherregal lädt …
Sanfte Einführung ins Chaos
 240 Seiten

Marta und Dani sind ein Paar, beide Anfang 30, mit Jobs, die sie über Wasser halten, und ohne gemeinsame Zukunftsvision. Als Marta schwanger wird, stellt sie Dani vor vollendete Tatsachen: Sie wird dieses Kind nicht bekommen.

Wir begleiten das Paar in den Tagen zwischen der Kenntnis über die Schwangerschaft und dem Termin zum Abbruch. Mit Beginn dieser Phase tritt das Paar Marta und Dani in den Hintergrund. Orriols setzt sich tiefgründig und im Detail mit den Gedanken der Einzelnen auseinander, widmet sich deren persönlichen Päckchen, dem, was das Paar voreinander im Verborgenen lässt. Das ist klug konstruiert, mir gefällt die Psychologie dahinter, auch die Art, wie sie aus den durchaus egoistischen Betrachtungen manchmal philosophisch anmutende Aussagen ableitet, welches Verständnis von persönlicher Freiheit, Paarbeziehung und vor allem Zukunft beide in die Beziehung hereintragen, ohne jemals darüber zu sprechen. Und genau das fehlte mir in dem Roman: Der wirkliche Versuch, in den Dialog miteinander zu treten, den eigenen Horizont zu verlassen, sich vielleicht auch voll und ganz, ohne Rettungsleine, auf jemanden einzulassen.

Vielleicht ist das der Grund, warum dieses Buch an den Problemen einer Generation kratzt. Was der Autorin allerdings wirklich gut gelingt, ist, dass das Buch niemals den Eindruck erweckt, als Sprachrohr fungieren zu wollen. Es ist eine Sanfte Einführung ins Chaos, für eine tiefergehende Auseinandersetzung, fehlte mir dann aber leider zu viel.

Ein wirklich interessantes Fragment, aber keines, was noch lange hängen bleiben wird.

Virgin River
 400 Seiten

Im Verhältnis zur Netflix-Adaption ist das, was man mit dem Auftaktband von Carrs Virgin River-Reihe bekommt, eher die durchschnittliche Romanze: Einfach geschrieben, unglaublich vorhersehbar und stellenweise auch ziemlich platt. Trotzdem mochte ich die Art, wie Carr nicht nur die beiden Hauptcharaktere, sondern auch das gesamte Örtchen Virgin River abseits des Bildschirms zum Leben erweckt, andernfalls hätte ich es wohl kaum an einem Tag gelesen. Ob der Stoff allerdings für diese große Zahl an Bänden, die die Reihe bisher umfasst, genügt, bezweifele ich noch, aber ich kehre gerne für weitere Geschichten nach Virgin River zurück.

Miss Merkel
 320 Seiten

Die karikierte Version der Altkanzlerin in einem Krimi ermitteln zu lassen, ist phasenweise leider schon urkomisch, aber ansonsten besticht dieses Werk weder durch handwerkliche Qualität, noch durch eine gute Story. Für einen Krimi ist und bleibt das sehr platt und vorhersehbar.

Die Einsamkeit der Primzahlen
 368 Seiten

Dieser Roman ist traurig, berührend, oftmals auch sehr tiefsinnig und toll geschrieben. Vielleicht mochte ich aber die Grundidee des Romans, die Anwendung der Definition von Primzahlzwillingen auf die Beziehung zwischen Alice und Mattia weitaus mehr als die letztliche Umsetzung. Er gibt sich unglaublich viel Mühe, das mathematische Konzept den Leser:innen verständlich zu machen, belässt es aber letztlich dabei und schöpft das Potential der Geschichte nicht aus. Vieles was Mattia und Alice über die Jahre erleben, berührt, aber so ganz durchsichtig war es für mich bis zum Ende leider nicht.

Das krumme Haus
 200 Seiten

Manchmal muss es eben ein klassischer Whodunnit sein. Tolle Atmosphäre, guter Plot und ein wundervolles Ensemble. Ich hatte zwar nach gut der Hälfte den richtigen Riecher, nichtsdestotrotz hat mich Christie bis zur letzten Seite in ihren Bann gezogen.

Sturmrot
 480 Seiten

Keine Frage, ich habe dieses Buch wirklich gerne gelesen und vieles, was Tove Alsterdal in dem Auftaktband ihrer Sjödin-Trilogie macht, gefiel mir wirklich gut, weil es sich auf eine positive Weise von anderen Schwedenkrimis abgrenzt.

Die größte Stärke dieses Buchs liegt in der atmosphärischen Darstellung und den wirklich starken Beschreibung der schwedischen Landschaft. Wider Erwarten geht es in diesem Buch um mehr als diesen einen Fall: Die Vergangenheit spielt eine tragende Rolle. An sich hat Tove Alsterdal die Fälle gut verknüpft, allerdings war mir die Trennung - gerade im Bezug auf die Ermittlungsarbeit - zu strikt und hat dem Ganzen für meinen Geschmack einen Dämpfer verpasst. Leider verliert sich der Roman an einigen Stellen in Nebensächlichkeiten und hat somit seine Längen. Auch Eira, die sich positiv von der kaputten Klischee-Ermittlerin abgrenzt, war für mich leider nicht greifbar genug.

Insgesamt durchschnittlicher Schwedenkrimi und interessanter Auftakt für eine Reihe.

Der letzte Wunsch
 384 Seiten

Ich habe nicht viel mit Fantasy am Hut, aber nachdem ich einige Folgen der Netflix-Adaption gesehen hatte, wollte ich mich auch mal mit Sapkowskis Hexer-Saga in Buchform befassen. Wer die Serie kennt, wird von dieser Kurzgeschichten-Sammlung kaum überrascht sein. Die einzelnen Geschichten bieten einen guten Einstieg in Welt und Charaktere, lesen sich soweit gut - meine deutsche Übersetzung war phasenweise etwas holprig -, manche bleiben aber ob ihrer Länge viel zu sehr an der Oberfläche, für mich persönlich sticht nur Der letzte Wunsch wirklich heraus.

Baumschläfer
 196 Seiten

In einem Rutsch durchgelesen und seit langer Zeit mal wieder ein Jugendbuch, das mich überzeugen konnte.

Basierend auf den Fall Mark S. aus Mönchengladbach, erzählt Christian Duda die Geschichte von Marius, 14 Jahre alt, der direkt zu Beginn Zeuge einer Gewalttat wird. Im Folgenden skizziert Duda die bedrückende Chronologie von Marius’ Falls durch das soziale Netz.

Unterstrichen wird das Ganze von dem auffallendem Stil: Duda arbeitet überwiegend mit kurzen, pointierten Sätzen, erst zum Ende hin bricht es auf, wird weiter, den Umständen geschuldet aber auch wirrer - und bildet damit sehr gut ab, was im Verlauf mit Marius passiert.

Auch, wenn Duda es nie explizit benennt, den Fingerzeig auf bestimmte Akteure unterlässt, übt er mit diesem Roman Kritik an der Gesellschaft, die gehört werden sollte. Ein wirklich gutes Buch, das nachhallt.

Nordwesttod
 352 Seiten

Mir war das zu einfach: Schnell zu durchschauen, zu gradlinig, es mangelte an Twists und Überraschungsmomenten, die für mich zu einem guten Krimi gehören. Nordseeflair und Ermittler:innen waren zwar sympatisch, aber konnten nicht davon ablenken, dass es im Wesentlichem um die privaten Belange der Ermittler:innen ging. Es ist zwar ein Auftaktband, aber für mich fehlte hier die Balance.

Die Asche meiner Mutter
 539 Seiten

McCourt nimmt sich einer kindlich, naiven Perspektive an, die durch seine Sprache und auch die oberflächliche Betrachtung der Geschehnisse gestützt wird, und berichtet authentisch von seinem Aufwachsen im von Armut geprägten Irland der 1930er/1940er Jahre. Gerade die Jahre seiner Kindheit beschreibt er sehr detailliert, einige Erlebnisse wirken daher sehr redundant, die Schilderungen fast langatmig, für seine Jugend reichen einige schnelle Kapitel zum Ende hin. Es gab einige wenige Szenen, in denen ein eher reflektierter McCourt zum Vorschein kommt, in denen eingeordnet, fast schon bewertet, wird, und genau diese Stellen sind für mich die stärksten des Buches. Hätte er nur mehr solcher Momente gehabt und dem Ganzen einen Titel, der nicht komplett irreführend ist, gegeben, ich hätte das Buch vermutlich etwas mehr gemocht.

Die Legende der Adlerkrieger
 576 Seiten

Hätte ich wohl nie gelesen, wenn es mir nicht von einem Freund in die Hand gedrückt worden wäre. Es ist im Wesentlichen ein Roman, der sich eigentlich nur um Kung-Fu dreht. In Teilen eine durchaus interessante Geschichte, gerade im Hinblick auf den Werdegang Dschingis Khans und die chinesischen Strukturen, manchmal war es allerdings unglaublich wirr und verwirrend ob der Vielzahl an Charakteren. Das Buch findet kein kein wirkliches Ende, sondern mündet in einem ordentlichen Cliffhanger. Nett, aber absolut nicht so monumental und episch wie beworben.

Kein Sommer ohne dich
 432 Seiten

Dieser Roman hat Spaß gemacht. Es war für mich die perfekte Mischung aus Humor, dem Ernst der Realität, einer guten Portion Sex - weder komplett ausgeblendet noch zu explizit - und es war interessant, wie detailliert die Autorin sich gerade den Themen, die auf den ersten Blick sehr klischeebehaftet gewirkt haben, auf sehr vielfältige Art genähert hat. Nicht nur die beiden Protagonisten, Poppy und Alex, sind unglaublich sympathisch, vor allem aber auch authentisch gezeichnet, sondern auch die Hauptcharaktere bestechen durch eine wirklich gute Ausarbeitung.

Dadurch, dass der Aufbau nicht chronologischer Natur war, sondern wir abwechselnd an vergangenen und gegenwärtigen Reisen teilhaben, war es durchweg spannend. Natürlich ist es - wie sollte es bei diesem Genre auch anders sein? - in Teilen vorhersehbar, aber beim Griff zu dieser Art Buch erwarte ich persönlich auch keine sonderlich überraschenden Plot-Twists. Und das, was hier an Ereignissen im Plot geschieht, wirkte auf mich, bis auf eine Ausnahme, soweit rund.

Schade, dass die Reise nur so kurz vor. Ich hätte noch ein paar Stunden mit den beiden verweilen können.

City on Fire
 432 Seiten

Hat mich die HBO-Erfolgsserie Sopranos im Bezug auf meine Vorstellungen von Mafia geprägt? Ja, und gerade nach der Leseprobe hatte ich das Gefühl, dieses Mal eine auf ihre Art eigene irische Variante der familiären und mafiösen Strukturen zu bekommen. Leider entpuppte sich das leider etwas als falsche Fährte.

In dem Auftakt seiner Dogtown-Trilogie - gleichzeitig der Abschluss seines Wirkens als Schriftstellers - führt uns Don Winslow in die Mafiastrukturen von Providence, Rhode Island. Alles ist irgendwie friedlich, die einzelnen Gangs gehen ihrem Alltagsgeschäft nach, bis aus einem fast schon banalen Fauxpax ein blutiger Krieg zwischen Iren und Italienern entfacht, der Danny vor ganz neue Herausforderungen stellt.

Im Grunde gefiel mir, was Winslow hier macht. Gerade bei der Entwicklung seiner Charaktere nimmt er sich Zeit, liefert Hintergrundinformationen, fast schon kleine Biografien, die den entsprechenden Personen eine gewisse Tiefe verleihen. Da er sich nicht allein auf Dannys Perspektive konzentriert, hat der Roman etwas sehr episodenhaftes. Was sich an einigen Stellen als guter Coup herausstellt, lässt an anderen Stellen etwas zu sehr Kontext und Hintergrund vermissen. Natürlich, als Leser:in sollte man sich sowohl auf die sehr vulgäre Sprache als auch auf die Vielzahl an brutaler Szenen einrichten. Allerdings verfällt Winslow hier nicht in den Gewaltporno, den andere Autor:innen dieses Milieus gerne erzeugen. Es bleibt auf seine Art kühl, fast schon distanziert, so ist das eben im Mafia-Milieu der 1980er Jahre, für mich passte es.

Auf inhaltlicher Ebene hat mich das Buch allerdings enttäuscht. Natürlich ist es der Auftakt einer (bereits beendeten) Trilogie, hier darf und muss viel Zeit in den Aufbau und die Einführung gesteckt werden und das gelingt Winslow auch gut. Aber sollte selbst ein Auftaktband nicht trotzdem noch als alleinstehender Roman funktionieren? Sollte er nicht auch genug guten Stoff bieten, in dem selbst ich als Leser:in genug Potential für die Ausweitung in eine Trilogie sehe? Genau das fehlte mir hier leider über weite Strecken und tatsächlich interessiert mich, ob und vor allem wie es Winslow in seinen Folgebänden gelingt, hier noch die Kurve zu bekommen und den furiosen Abgang zu liefern, der die Trilogie ja sein soll.