Lesetagebuch
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Bücherregal lädt …
Kellerkind
 416 Seiten
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Interessanter Münchner Krimi mit einem sehr skurrilen Ermittler-Quartett. Nicht durchweg sympathisch, aber immerhin so, dass man gerne am Ball bleibt. Der Inhalt war gut konstruiert, hatte aber seine Längen. Vielleicht hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle einen kleinen Twist gewünscht, die Auflösung kam aber doch überraschend. Was mich im Lesefluss etwas gestört hat, war der Wechsel zwischen Lokaldialekt und Hochdeutsch. Gerade in wörtlicher Rede war der abrupte Wechsel verwirrender als mancher (mir) unbekannte Begriff und ließ es etwas abgehackt wirken. Nichtsdestotrotz unterhaltsam, die Reihe um Waechter werde ich im Auge behalten.

Red Rising (Red Rising, #1)
 382 Seiten
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Es fällt mir tatsächlich wirklich schwer, dieses Buch zu bewerten. Auf der einen Seite gefiel mir die Welt, die Pierce Brown schafft, wirklich gut. Die Brutalität, die in ebenjener und entsprechend im Umgang mit seinen Charakteren steckt, hat mich tatsächlich überrascht. Womit mich Brown allerdings überhaupt nicht überzeugen konnte, waren sein Stil sowie der Plot. Vieles wirkte als hätte Brown gerade das aufgeschrieben, was ihm in den Sinn kam, und sprachlich war es phasenweise - nicht zuletzt der ständigen Wiederholungen geschuldet - einfach zu vulgär. Trotz Ich-Perspektive blieb mir der Hauptcharakter über die gesamte Distanz unglaublich fremd, viele Szenen wirkten inhaltsleer und am Ende blieb zumindest für mich die Frage, worauf der Autor mit diesem Werk abzielt, offen. Auf den Rest der Reihe werde ich wohl verzichten.

Vicious
 368 Seiten
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Ohne Empfehlung hätte ich vermutlich nie nach diesem Buch gegriffen. Dafür hielt ich diese ganze Thematik rund um Superhelden und/oder Personen mit außergewöhnlchen Fähigkeiten mittlerweile für zu verbraucht. Glücklicherweise konnte mich V.E. Schwabs Vicious vom Gegenteil überzeugen. Der Ansatz, den sie wählt, ist schlichtweg ein anderer.

Der Ursprung der Geschichte von Victor und Eli liegt in einem Studienprojekt, das sich mit den Ursprüngen von ExtraOrdinarys, also Menschen mit besonderen Fähigkeiten, befasst, und zehn Jahre zurückliegt. Dieses Projekt ändert alles: Aus der früheren Freundschaft ist eine Rivalität geworden, die sich in der Gegenwart in einer Art Rachefeldzug entlädt.

Die Art, wie Schwab schreibt, ist fesselnd. Obwohl beide Hauptcharaktere eher als Antagonisten angelegt und damit keine wirklichen Sympathieträger sind, haben sie doch etwas an sich, was mitreißt. Ergänzt werden die beiden durch interessante Nebencharakter, die auch einige Punkte auf der Sympathieskala sammeln konnten. In kurzen Kapiteln geprägt von Perspektivwechseln und Zeitsprüngen entfaltet sich langsam eine eher düstere Geschichte. Mir gefiel gerade der erste Teil sehr und entsprechend hatte ich von dem zweiten Teil etwas anderes erwartet. Das Ende kam zwar nicht überraschend, ist aber tatsächlich schön gewählt.

Mal sehen, wie V.E. Schwab diesen ersten Band der Villains-Reihe in Vengeful weiterspinnen wird.

In Zeiten des abnehmenden Lichts
 432 Seiten
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Eugen Ruge erzählt mit seinem Debütroman In Zeiten des abnehmenden Lichts die Geschichte der ostdeutschen Familie Umnitzer. Vier Generationen, ein halbes Jahrhundert gelebte Geschichte; der Vergleich zu Thomas Manns Buddenbrooks, der oftmals gezogen wird, hat mich zugegeben zu Beginn etwas abgeschreckt, am Ende war mein Leseerlebnis hier aber ein komplett anderes. Im Gegensatz zu Mann konnte mich Ruge mit der Art, wie er mit Sprache umgeht, fesseln. Die Charaktere, die er zeichnet, sind allesamt stark, obwohl ich nicht alle gleichermaßen mochte. Ruge schneidet viele geschichtliche Ereignisse wie den Mauerbau oder das Ende der DDR an, verliert sich aber nicht in einer geschichtlichen Abhandlung, sondern stellt die damit verbundenen Auswirkungen auf seine Charaktere sowie deren Beziehungen in den Fokus. Nach und nach bekommt man dank Perspektivwechsel und Zeitsprüngen einen tiefen Einblick in diese Familiengeschichte, die alles andere ist als lückenlos - welche ist das schon? -, aber unglaublich ehrlich, menschlich und ein stückweit, was sich gerade an Alexanders Charakter zeigt, traurig. Gerade deshalb halte ich den Roman für unglaublich lesenswert.

QualityLand
 384 Seiten
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Kling liefert mit QualityLand eine satirische Dystopie, die sich mit der Zukunft der Digitalisierung auseinandersetzt. Thematisch eigentlich genau meins, an manchen Stellen war es mir aber etwas zu plakativ und die Rahmenhandlung konnte mich nicht so richtig abholen. Insgesamt ist es allerdings klug gemacht und ziemlich lustig. Gerade die vom Autor selbst eingelesene Hörbuchfassung lohnt sich.

Die dunkle Stunde der Serenissima
 384 Seiten
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Das war mein erster Brunetti in Buchform. Es liest sich weniger als Krimi, sondern eher als Führung durch Venedig und die kulinarische Seite Italiens. Der Fall an sich entwickelt sich eher langsam und steht gar nicht so sehr im Vordergrund, vielmehr die Figuren, die in der Reihe (vermutlich) öfter auftauchen, und deren Entwicklung. Die Art, mit der Donna Leon das verbindet, gefiel mir ganz gut, ich hätte den Fokus aber gerne woanders gesehen.

Die Farbe Lila
 272 Seiten
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Es steht seit Jahren bei meinen Eltern im Bücherregal, ich hielt es sehr oft in den Händen, aber auf die Idee, es wirklich auch mal zu lesen, kam ich erst, nachdem ich es neulich aus dem öffentlichen Bücherschrank mitnahm. Und ich kann nur sagen: Besser spät als nie.

Die Geschichte, die Alice Walker mit Die Farbe Lila erzählt, ist unbequem. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts begleiten wir Celie mehrere Dekaden durch ihr von Misogynie, Gewalt, Rassismus und Klassismus geprägtes Leben in den Südstaaten. Die Sprache, die Walker ihrer Protagonistin in den Mund legt, unterstreicht Celies Lage: Sie ist arm und bildungsfern. Was folgt ist ein Emanzipierungsprozes, der nicht zuletzt durch starke weibliche Nebencharaktere mitgetragen wird. Der Mittelteil, der sich in Form von Briefen ihrer Schwester deren Geschichte - sie lebt bei Missionaren in Afrika - widmet, zog sich etwas in die Länge. Am Ende hätten dem Roman ein paar Seiten mehr vielleicht gut getan.

Nichtsdestotrotz wird Die Farbe Lila nicht umsonst als Klassiker gelistet und bekommt von mir eine klare Leseempfehlung.

Was ist so schlimm am Kapitalismus?
 128 Seiten
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Jean Ziegler gilt als einer der bekanntesten Kapitalismuskritiker. Er bietet mit dem Dialog Was ist eigentlich so schlimm am Kapitalismus?, den er mit seiner Enkelin führt, einen guten, wenn auch einseitigen, Überblick über das System und die historische Entwicklung bis zum heutigen Tag. Seine Kritik untermauert er mit zahlreichen Beispielen, die LeserInnen leicht zugänglich sind. Eine tiefergehende Analyse bleibt aber aus. Die Frage nach dem, was an Stelle des Kapitalismus treten könnte oder sollte, lässt er am Ende bewusst offen. Insgesamt ein nettes Buch, das einen guten Überblick über die Lage gibt, und Anreize schafft, sich weiter damit auseinanderzusetzen.

Liebes Kind
 384 Seiten
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Tatsächlich mal etwas ganz anderes als das, was man sonst bekommt, wenn Thriller draufsteht. Der Nervenkitzel kommt nicht wie so oft in diesem Genre von blutigen Morden, sondern vielmehr von der Tatsache, dass sich das alles unglaublich real anfühlt, als könne Lenas Erlebtes auch jeden Moment die LeserInnen treffen. Der Plot war, abgesehen von einigen Stellen im Mittelteil, spannend und hatte ein schönes Tempo, was gerade der Perspektivwechsel und den vielen, kleinen Plottwists zu verdanken ist. Die Auflösung empfand ich zwar als schlüssig, aber - vielleicht gerade wegen des Hypes? - dann doch eher unspektakulär. Die Grundidee war nicht schlecht, allerdings erinnerte mich das Konzept doch etwas zu sehr an Emma Donoghues Room und so ganz konnte sich Hausmann am Ende nicht davon abgrenzen. Dennoch ein gelungenes und empfehlenswertes Debüt.

Das Gift der Wahrheit
 432 Seiten
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Das Gift der Wahrheit, der zweite Band um Hauptkommissarin Alexis Hall und Kriminalbiologin Karen Hellstern, konnte mich immerhin etwas mehr überzeugen als der Auftakt. Es war weitestgehend spannend und ich war sehr dankbar, keine großen Probleme mit Spinnen zu haben. Insgesamt wirkte das Geschehen ziemlich rund und gradlinig, keine großen Plottwists während des Verlaufes. Allerdings verliert sich Julia Corbin wieder etwas zu viel in Subplots: Egal ob Liebesgeschichte, Krach in der Freundschaft, drohende Mordanklage oder die Aufarbeitung des ersten Bandes, alles findet hier seinen Platz. Dieses Mal legt sich der Fokus glücklicherweise nicht nur auf Alexis, sondern auch auf Karen, was es etwas abwechslungsreicher und nicht ganz so zermürbend machte. Die finale Auflösung kam zwar überraschend, wirkte aber im Gesamtkontext doch sehr konstruiert. So richtig glaubwürdig war das alles nicht.

Tausend kleine Schritte
 272 Seiten
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Die australische Form von Sarah Kuttners Mängelexemplar - und das war wegen der Form der Aufarbeitung psychischer Erkrankungen schon nicht meins. Bei Toni Jordan ging es mir ähnlich. Die Protagonistin Grace lebt mit einer Zwangsstörung, die sich durch das Abzählen und Vermessen ihrer Umwelt äußert. Die Darstellung des Zählens wirkte auf mich sehr plakativ, die Entwicklung im Laufe des Romans stark vereinfacht und einfach unglaubwürdig und gerade der mittlere Teil war dann doch etwas stumpf. Ob eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild stattgefunden hat, bleibt für mich mehr als fraglich und das kreide ich dem Roman tatsächlich stark an. Repräsentation ist wichtig, aber dann doch bitte realitätsnah. Der gesamte Roman plätschert ziemlich seicht und ohne wirklichen roten Faden vor sich hin, die Liebesgeschichte ist mehr als vorhersehbar und hatte, abgesehen von vielen Sexszenen, kein wirkliches Profil. Man kann schon fast von Glück sprechen, dass es nicht in Richtung "Liebe heilt alles" ausgeartet ist. Für mich absolut kein Buch mit Mehrwert.

Friedhof der Kuscheltiere
 608 Seiten
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Mit Friedhof der Kuscheltiere habe ich meine King-Lücke geschlossen. Es war nicht der blanke Horror, den ich immer mit Kings Namen assoziiert habe, aber Gänsehaut-Momente gab es reichlich. Stephen King nimmt sich Zeit, um den Rahmen seiner Erzählung aufzubauen, er wiegt seine LeserInnen förmlich in Sicherheit, um dann auf subtile Art mit ihren Ängsten - hier im Wesentlichen dem Tod- zu spielen. Das gelingt ihm sehr gut und der Roman ist über weite Teile so spannend, dass ich ihn eigentlich nicht aus der Hand legen wollte. Im Laufe des Romans nimmt das Erzähltempo zu, gerade im letzten Drittel passiert so viel und hier hätte ich mir gewünscht, dass sich Stephen King an manchen Stellen ein bisschen mehr Zeit nimmt. Insgesamt hat sich die Lektüre allerdings gelohnt. Es wird nicht mein letzter Roman von Stephen King sein.

Sozusagen Paris
 224 Seiten
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Es ist nicht der Liebesroman, den ich erwartet hatte, sondern vielmehr eine Abhandlung über das, was Liebe ist und was wir von ihr erwarten. Gerade das erste Drittel gefiel mir wegen Kermanis Beobachtungen und Beschreibungen sehr gut, danach verliert sich Kermani für meinen Geschmack etwas zu sehr in der Rezitation von gerade französischen Literaten wie Proust und Stendhal, seine Erzählung büßt etwas an Tempo ein, das Ende kommt abrupt. Ein tiefgründiger, aber dennoch unterhaltsamer Roman über die Liebe.