Sauna
217 Seiten

Ein Buch, das sich gut und schnell durchgelesen hat, viel sein will aber wenig davon richtig auf die Kette bekommt.

Die Einblicke in die schwule (bewusst nicht „queere“) Szene sind fein beobachtet, die Archetypen bleiben aber solche. Die Grabenkämpfe zwischen den schwulen Männern in der Sauna wirken eher konstruiert: die einen sehen die Homo-Ehe als das ultimative Feindbild und Anpassung an eine heteronormative Gesellschaft. Die anderen sind Schwule, die in der AIDS-Krise Partner verloren haben und sich gewünscht hätten, rechtlich abgesichert gewesen zu sein. Das alles verpufft jedoch im Nebel der Wut des Protagonisten auf jeden, der nicht komplett die heutige Gesellschaft ablehnt, es gibt keine Gewinner in dieser Diskussion und die Erkenntnis, die der Protagonist daraus zieht, wirkt zynisch.

Die revolutionären Ansichten des Protagonisten Johan kommen aus dem Nichts, es wirkt streckenweise dolle wie ein „Idiot plot“, der mit einem klärenden Gespräch obsolet wäre. Dazu gesellen sich Passagen, die die „suspension of disbelief“ ins Wanken bringen (z.B.: wieso findet der Protagonist Johan ständig ganz zufällig sehr für die Handlung günstig platzierte Ziegelsteine?). Generell ist der Protagonist Johan seeeehr unlikeable, er fühlt sich wie der Nabel der Welt und versteht es nicht, wenn er zu verstehen bekommt, dass er dies nicht ist.

Dem Roman wäre gut getan gewesen, den Plot wirklich um den trans love Interest zu zentrieren, denn hier spielen sich die deutlich spannenderen Gefühlswelten und Entwicklungen ab. Bedroht von Gesetzesänderungen und getrieben vom Wunsch, den Körper endlich akzeptieren zu können bewegt sich William auf einer Reise zu sich selbst, die Johan mit seinen Handlungen leider – teils mit Absicht und teils ohne – zu sabotieren droht.

Immerhin steht am Ende die Erkenntnis, dass sich Johan verrannt hat und er bekommt die Quittung für seine Handlungen. Er ist nun wieder dort, wo er am Anfang stand und macht sich auf nach Berlin, wo er einen Neuanfang starten will. Ich bin mir unsicher, ob das das richtige für ihn sein wird.

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