The Berry Pickers
321 Seiten

There is a code among the dying: let the living speak. They have no longer to atone for it. (S.45)

In den 60er Jahren verschwindet eines Tages ein vierjähriges Mädchen einer Mi'kmaq Familie. Während die Eltern als Beerenpflücker arbeiten und Ruthie auf einem Stein sitzt, ist sie einen nächsten Moment plötzlich weg, ohne Spuren zu hinterlassen. Die vier älteren Geschwister und ihre Eltern suchen sie monatelang vergeblich. Norma wächst als Einzelkind auf. Die Mutter ist sehr streng und überfürsorglich, der Vater distanziert. Sie fühlt sich eingeengt. Und sie merkt bald, dass ihre Eltern ihr gegenüber nicht ehrlich sind. Die Träume, die sie jahrelang begleitet, in denen sie nebst einem Lagerfeuer eine herzliche Mutter sieht, die nicht ihre Mutter ist und auch einen Bruder, den sie nicht hat, werfen bei ihr Fragen auf, werden von ihren Eltern aber nicht ernstgenommen. Auch zu den Fragen zu ihrer dunkleren Hautfarbe sowie den fehlenden Babyfotos bekommt sie immer nur ausweichende Antworten. Es braucht Jahre, bis sie hinter das Geheimnis ihrer wahrer Herkunft kommt.

Die Geschichte wird in zwei Erzählsträngen erzählt. Die Kapitel wechseln jeweils ab zwischen JOE (der eine ältere Bruder von Ruthie) und NORMA. Von Joe erfahren die Lesenden über die grosse Trauer, über die weiteren tragischen Schicksalsschläge, die die Familie in den Folgejahren erfährt und über Joes Lebensentwurf mit dem Umgang seiner Trauer und Wut. Von Normas Erzählungen über ihr Aufwachsen wird den Lesenden schnell klar, dass es sich bei ihr um die verschwundene Ruthie handeln muss. Norma braucht dafür aber einige Jahrzehnte länger.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, sie hat mich berührt und abwechselnd traurig und wütend gemacht. Die Erzählweise fand ich sehr passend, ich fühlte mich den Charakteren sehr nahe und besonders der starke Zusammenhalt der Mi'kmaq Familie hat mich sehr berührt. An manchen Stellen hätte die Geschichte auch etwas gestrafft werden können. Das Ende ist sehr bewegend und unglaublich traurig, aber auch tröstlich.