Lesetagebuch
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Bücherregal lädt …
Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen
 208 Seiten
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Ich möchte es als Sachbuch behandeln und werde deshalb den Stil (mit interessanten Stilblüten wie „Sklav:innenfänger; wie gendert man Komposita, deren Erst- und Zweitglied Personenbezeichnungen sind? Denn für „Fänger“ gibt es eine weibliche Form, „Fängerin“. Deshalb müsste es doch „Sklav:innenfänger:innen heißen, jedoch nicht „Täter:innen-Opfer*innen-Umkehr, da es keine Opferinnen gibt. Die Sprachgesellschaften sind sich uneinig) und die Phonetik der Lesenden ignorieren.

Dieses Buch hat zwar viel, aber eine wirklich intellektuelle Auseinandersetzung sucht man vergeblich. Um einen Kalauer im Stile Denis Schecks von mir abzugeben: Das passiert, wenn man einen Twitter-Thread auf 208 Seiten ausdehnt #c=n/V. Denn Hasters gelingt es zu keinem Zeitpunkt zwischen systematischem (Strukturen in einem Land o.Ä. sind rassistisch angelegt, zB Redlining), institutionellem (in einer Institution sind Rassisten am Werk und handeln rassistisch, zB Polizeientscheidungen) und interpersonellem (das erklärt sich von selbst) Rassismus klar zu differenzieren; vielmehr spricht sie weißen Menschen rassistische Erfahrungen ab, die dem interpersonellen Rassismus zuzuordnen sind, da hier die gesellschaftliche Macht der Diskriminierenden fehlen würde. Das halte ich, vorsichtig formuliert, für intellektuell kurzgegriffen. + ist das Verknüpfen von Historie und persönlicher Erfahrung bestenfalls als schlechtes Framing zu bezeichnen. Die Diskreditierung Kants halte ich für nicht in Ordnung, da seine „Rehabilitierung“ gegen Ende seines Lebens nicht erwähnt wurde. Dass er als „Erfinder“ der Rassen dargestellt wurde ist im Übrigen auch falsch; das ganze Phänomen der irrigsten Annahme der Geschichte zu erläutern ist hier nicht meine Aufgabe, Eigenrecherche lohnt aber definitiv. Eine Sache möchte ich noch debunken. Sie echauffierte sich darüber, dass man Gründe sucht, weshalb schwarze Menschen beim Sprinten dominieren. Sie schiebt das auf Rassismus. Dabei zeigen sich zwei Dinge: erstens das Glauben an böswillige Intentionen und zweitens das völlige Unverständnis von Statistiken. Erstens ist das Herausfinden von Faktoren für ein schnelleres Sprinten wichtig, weil das so ziemlich der einzige Leichtathletiksport ist, der Geld einbringt. Faktoren sind hierbei fast-twitching muscle fibers (wegen des Fehlens von Mitochondrien spricht man auch von „weißen Muskelfasern“), ein höher sitzender Bauchnabel (Schwerpunkt) uvm. Das mag alles kleinteilig klingen, doch wenn ein Faktor einen Vorteil von 0,1 Sekunden bringt, dann hat man unter Umständen einen Platz gut gemacht (die Sprinter sind teilweise nur um 0,01 Sekunden different). Zweitens interpretiert sie böswillig (oder dumm, je nach Auslegung von Hanlon’s razor), dass alle Forscher denken würden, dass alle Sprinter wie Usain Bolt aussehen. JB Peterson hat diesen Denkfehler mit personal traits gezeigt. Wenn man in einem Paper meint, dass Männer weniger agreeable sind, dann bedeutet das nicht, dass alle Männer nicht agreeable sind. Vielmehr spiegelt sich das in den Extremen wider (sehr agreeable und 0,0 agreeable). Die Flächen der Glockenkurven teilen sich mehr als 90%; die Unterschiede zwischen Mann und Frau sind also nicht so groß; außer man schaut sich die Extrema an. Dasselbe lässt sich über gute Sprinter und Weltklassesprinter sagen. Dieser zweite Punkt/Denkfehler ist auch derjenige, der sich auf die meisten anderen Sachen beziehen lässt, die Hasters versucht zu machen. Ich würde das an einem Punkt gerne festmachen: der Vater verlässt die Mutter zugunsten einer weißen Frau. Ab diesem Punkt in ihrem Leben konnte sie nicht mehr „normal“ leben, da sie sich ihrer (Hyper-, von ihren Eltern explizit gewünschten) Individualität beraubt sah (die starke, den Konventionen trotzende Biracial-Familie). Ab diesem Zeitpunkt konnte sie ihre Identität nur mit ihrem (nun) primären Schwarz-Sein behaupten, weswegen sie bevorzugt Malintentionen unterstellt (die Story mit dem Vater war erschütternd). Der Poetry-Slam-Liebesbrief an ihren neuen Freund liest sich in dem Wissen wie ein offenes Buch. Ihn zu hören hat mich erschreckt und ich war sogar angewidert. Dass der Kapitalismus das Liebesleben zwar mit seinen markttheoretischen Prinzipien übernommen hat, war mir schon davor bewusst, jedoch war diese gedankliche Ausprägung für mich nicht denkbar.

Ich versuche aus jeder Lektüre etwas mitzunehmen; die kurzen Ausflüge in die Kolonialzeit werde ich nicht vergessen.

Ich frage mich, was die Leute an diesem Buch so gut finden. Was ist das „Gute“ daran, was das „Erschütternde“ und was das Konstruktive? Was hat sich seit der Lektüre im Verhalten geändert? Warum verfällt man bei einer positiven Kritik sofort in die Schemata, die man ganz leicht als „white saviorism“ bezeichnen kann? Darf/Soll man dieses Buch überhaupt bewerten, ist eine Auseinandersetzung gewünscht? Ist meine Kritik rassistisch? Wenn man hierbei zu „Ja“ gelangt, weshalb? Wie soll man handeln, um in einer Welt, die Alice Hasters gerecht wird, akzeptiert zu werden? Gibt es so etwas überhaupt? Wie soll man den Dialog im griechischen Sinne suchen, wenn nur eine Gesprächspartei sprechen darf?

Die Geschichte der getrennten Wege
 540 Seiten
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Im Vergleich zum Vorgänger fand ich den Inhalt ein wenig unschöner, die Sprache war aber "besser".

An sich liegt dem Plot, den man als "komplizierte Liebschaften & die Vergangenheit ist mit einem Menschen unanfechtbar verflochten" abtun kann, auch ein zutiefst feministischer Gedanke zugrunde, wofür man eigentlich gar nicht genug danken kann. Denn wo unpolemisch von Problemen geschrieben wird, dort wird der Acker fruchtbarer Diskussionen (/Austausch) bestellt (und offenkundig auch schlechter Vergleiche und Metaphern).

Ich bin nun auf den letzten Teil gespannt; es gibt noch einige ungelöste Konflikte der Figuren. Des Weiteren frage ich mich, wie die Erzählerin die Feminismus-Frage weiterführt. Und die Rahmenhandlung, die gefühlt die ersten zwei Seiten des ersten Buches in Anspruch genommen hat, wie die gelöst wird. Das vergisst man beinahe.

Die Geschichte eines neuen Namens
 623 Seiten
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Nun, so ok-ish der erste Band war, so überragend war der Zweite. Klar, das Buch ist primär an ein einfacheres Publikum gerichtet. Und da erfüllt es den Zweck gut. Doch das Gute ist, dass auch das einfachere Publikum das Geniale und Übergeordnete sehen kann. Das ist ein durch und durch feministischer Roman, so zumindest meiner Meinung nach. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Meine geniale Freundin
 422 Seiten
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Alle, auch der von mir so geschätzte Denis Scheck, schwärmten davon. Ich fürchtete das Schlimmste ("Hausfrauenliteratur", unter die auch ca. alle Romane, die in Lavendelfeldern Frankreichs spielen, fallen) und wurde nicht enttäuscht. Auch wenn die Handlung banaler nicht sein könnte, hat sie ihren Charme und das Neapel der 50er wird lebendig. Schön, ich werde dranbleiben.

Der Outsider
 752 Seiten
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Das hat mir recht gut gefallen. Jedoch hat mich dieses Buch dermaßen an einen "Es"/"Mr-Mercedes-Trilogie"-Hybriden erinnert, dass ich es doch ein wenig schwach fand. Auch das Ende fand ich nicht sonderlich erquickend. Schade eigentlich, von dem Zeitpunkt, an dem Holly auf die Bühne trat, verlor das Buch für mich den Biss ein wenig.

Die Blechtrommel
 816 Seiten
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Sonderlich begeistert war ich nicht. Für mich war es eher literarische Fahrstuhlmusik. Einzig die Tatsache, dass G. Grass das selbst eingelesen hat und für manche Figuren einen so schönen schlesischen Dialekt gesprochen hat, war schön. Ansonsten gab es in diesem Buch auch Stellen, deren Perversion mich anekelte. Aber dafür ist Grass ja anscheinend bekannt. Naja.

Claus Störtebecker
 340 Seiten
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Wenn man in manchen Ästen des Familienstammbaums Rügener hat, so sollte man von der berühmten Sagenfigur etwas gelesen haben. Für mich war dieser Abenteuerroman das Aufbegehren des Einzelnen gegen die Zwänge; zur Freiheit hin strebend, unter Raubbau des Menschseins. Cool, aber nicht wirklich nachhallend

Der Glöckner von Notre-Dame
 643 Seiten
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So berauschend war das jetzt nicht. Weder hat sich ein Charakter hervorgetan noch ist einer gewachsen. Vielleicht ist das eine der letzten großen Tragödien mit großer Katastrophe am Ende. Einzig der große Lebensphilosoph und Trottel war lustig.

Das Unangenehmste war (neben dem Wort "Zigeuner") a) wenig Handlung, viel sprachlicher noise b) eine anderthalbstündige Beschreibung eines mittelalterlichen Paris und ein dreiviertelstündiger Exkurs in Gebäudekunde als Kunsthandwerk. Dadurch, dass Justus Jonas himself mir vorlas, konnte man das ganze Hörbuch zwar auch auf 2,8-3,2-facher Geschwindigkeit hören, dennoch machte repetitive Tätigkeiten nicht spannender. Schade

Kann man sich schenken, die Musicalfassung und der Disneyfilm sind laut ein paar Videoessays besser, da sie den Stoff anders interpretieren.

Die Welt der schönen Bilder
 192 Seiten
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"Die Hölle, das sind die Anderen" oder "Geschlossene Gesellschaft SdB-Edition"

Das waren die Titel von zwei Rezensionen, die ich beim Lesen für dieses Buch skizziert habe. Gewissermaßen passen sie immer noch, doch die Kontexte nicht mehr. Die ganze Zeit war der Roman mühevoll zu lesen; er missfiel mir sogar sehr. Keine erkennbare Handlung, furchterregender Stil usw, die ganze Palette an Dingen, die man nicht haben möchte. Die letzten Seiten aber haben in abgeschwächter Meursault-Tradition eine Intensität gewonnen, weil die Protagonistin sich mit Leidenschaft gegen ihr Leben geworfen hat. Das war gut, aber nicht überdurchschnittlich gut. Letztlich bleibe ich resigniert zurück, da ich mir ein wenig mehr erhofft habe. Leider fand ich es richtig schlecht. Vielleicht sind mir die Lebenswelten einer Frau, die kurz vor den Anfängen der Frauenrevolution lebt / einer Französin, die typisch für dieses Land ein verzweigtes und keineswegs unkompliziertes Liebesleben lebt, zu fremd, als dass ich mich damit identifizieren kann.

Zeit der Zauberer
 400 Seiten
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Ich habe es diese Woche bei repetitiven Arbeiten gehört und es war so gut wie beim ersten Mal. Mir fiel auf, dass ich am liebsten Cassirer und Benjamin lesen möchte, bevorzugt Letzteren. Die Symbolphilosophie finde ich im Hinblick auf mein Buchprojekt spannend. Den Tractatus lese ich ja gerade, das hat das Buch beim ersten Mal Hören schon bewirkt!

Wenn Männer mir die Welt erklären
 192 Seiten
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Ich bin mit niedrigen Erwartungen an diese Essaysammlung herangegangen und diese sind teilweise unterboten worden. Allgemein spricht mich der Schreibstil, bzw die Übersetzung, nicht an, mein ästhetisches Empfinden wird nicht berührt. Die Texte sind nicht wissenschaftlich, weder werden Studien/Umfragen gezeigt, wenn sie etwas zeigen wollen, noch werden Gründe für Begebenheiten angeführt oder wirkliche Lösungen vorgeschlagen. Das ist unironisch schade. An ein paar wenigen Stellen hat man das Gefühl, dass sie keinen Grabenkampf zwischen den 2 klassischen Geschlechtern heraufbeschwören will, was sie mit ihrer Schreibe aber leider tut. Die ganze College-Sache: was ist die Konsequenz aus ihrem Denken? Believe all women, ergo Unschuldsvermutung ade, Beweisführung passé? Allgemein werden bei ihr diverse Dinge derart vermengt und auf eine Stufe gestellt, dass es mir wirklich graust. Intellektuell unredlich. Wenn man aus den Problemen herauszoomt, so sieht man, dass Gewalt an Frauen umgeframed werden kann in Gewalt von Männern, denn auch Männer werden von Männern verprügelt, getötet usw, in weit größerer Zahl als Frauen. Dies mag unter anderem an hirnstrukturellen/psychologischen Gründen liegen; betrachtet man die Big5, so sieht man, dass Männer wesentlich disagreeable u.m. sind. Auch wenn Männer und Frauen im Wesentlichen gleich sind, können sie radikale Unterschiede produzieren. Deswegen liegt die Mehrheit der Gefängnisinsassen bei den Männern (95% vs 5%) und so weiter und so fort. R.S. kritisierte das Vorgehen, dass man Frauen an Collegecampus (Plural mit langem "U", U-Deklination) beibringt, dass man besser Vorsicht walten lässt; ihrer Meinung nach soll man den Männern sagen, dass sie nicht vergewaltigen sollen. Leider ist es diesem Klientel scheißegal und die, die in einem "Prodromalstadium" sind, welches durch Alkohol oder Drogen in ein aktives "Sexuell übergriffig"-Stadium wird; soll man ihnen das Feiern verbieten (dort konsumieren sie und werden gefährlich)? Das wäre doch zu diskutieren, zusätzlich zu Vorsichtsmaßnahmen für Frauen (was auch durch gute Kameras passieren kann, also indirekt). Dass Vorsicht ein Frauenphänomen sein soll, finde ich als schon mehrfach nachts auf dem Nachhauseweg verfolgter Mann by the way ziemlich lächerlich.

Ich bin in der Hirnforschung tätig, im Besonderen im Bereich der Schizophrenie. Eine gängige Theorie ist hierbei, dass Positivsymptome wie Wahnvorstellungen aus einer aberranten Salienz entstehen können (dass also einem random herumliegenden Stift ein höherer Sinn zugeschrieben werden muss zB, in der Art "Dieser Stift ist von Gottes Hand/ von der NWO zum Abhören/ von Ken Jebsen gegen die Coronamaßnahmen hingelegt worden"). Daran musste ich oft denken; dass R.S. Begebenheiten u.Ä. ihres Kontextes beraubt und sie in ihr Gedankenmuster einbettet.

Der einzige Teil, der mir gefiel, war der Essay über Virginia Woolf (abgesehen vom esoterischen Geschwurbel, das auch an manch anderer Stelle aufblitzte), genauer: die Stellen in der sie zitiert wurde. Ich muss endlich etwas von ihr sehen.

Fazit: mir persönlich zu tendenziöses, nicht das Problem lösen wollendes Schriftstück, das rhetorisch geschickt ihrem Zwecke diente, aber nicht der Allgemeinheit. Sie bekämpft sich mit den Waffen, die sie nicht (mehr) in den Händen der Männer sehen will

Der beste Punkt aber zum Schluss (und u.a. das meine ich mit "rhetorisch geschickt"): Diese ganze Kritik kann laut ihr sofort abgeschmettert werden, denn ich bin ein Mann (sie tut das sogar im titelgebenden Essay).

Der Fremde
 146 Seiten
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Bei diesem Wiedererleben des Romans ist mir aufgefallen, dass Meursault eventuell als "Natur" gelten kann, denn sowohl der Leser als auch bspw der Richter fragen sich ständig nach dem Warum und überkommen ihn letztlich, indem sie ihn töten und zur Tagesordnung übergehen (dem Vatermord, der danach verhandelt wird. Eine Anspielung auf Nietzsche? Wahrscheinlich). Der Tod/Das intellektuelle Überkommen des Sinnsuchens im Sinnlosen wird aber nicht sofort, sondern mit Verzögerung vollzogen. Deshalb auch der berühmte letzte Satz, dass viele mit Hass auf ihn warten sollen, wenn er hingerichtet wird, stellt dieses Überwinden doch das Menschliche schlechthin dar, ein Niederbrennen des Vergangenen etc pp. Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt ist demnach ebenfalls auf den Mord am Araber anwendbar, denn die Natur schert es nicht, ob es ein einfacher Tod ist oder ein subjektiv wahrgenommener Overkill. Ich bin gespannt, was mir beim nächsten Mal auffällt.