Als Vertreter der Post-Privacy-Bewegung ist relativ klar, wohin die Kernaussagen von Jeff Jarvis tendieren. Ich bin da zu 100% auf seiner Seite, entsprechend fand ich das Buch auch gut. Es erschien 2011, gelesen habe ich es im Herbst 2015. Snowden ist in dem Buch noch gänzlich unbekannt, hätte aber vermutlich nichts an den zentralen Punkten geändert. Außer sie vielleicht noch bekräftigt.
Nachdem Jarvis von der mehr philosophischen Seite zu ergründen versucht, was eigentlich Öffentlichkeit und Privatheit genau ist, geht es im weitaus größeren Teil des Buches um die Vorzüge, die Transparenz der Welt und ihren Bürgern bringt. Jarvis beginnt dabei beim Individuum, gefolgt von der Geschäftswelt und beleuchtet schließlich noch Transparenz in der Politik.
Die Übersetzung fand ich gut gelunden, das Buch liest sich leicht, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Was mir ganz besonders gefällt, sind die etwas über 400 Fußnoten, die jede Menge Material zum Weiterlesen und (noch) tiefer einsteigen bieten.
Schwurbelige Schachtelsätze (in Stichprobroben habe ich Sätze mit bis zu 50 Wörtern gezählt) und im Kern nichts neues, wenn man -- wie ich -- seit 20 Jahren mit Open Source rum macht. Ich kam mit dem Schreibstil nicht zurecht und Stichproben im Buch ließen nicht darauf rückschließen, dass ich noch großartig was Neues dazu lernen könnte. Deshalb habe ich nach 40 Seiten aufgehört, das Buch zu lesen, weil mir meine Freizeit zu schade ist, mich durch Bücher zu quälen.
Schöne Sprache, das eine oder andere Wort musste ich im Wörterbuch nachschlagen. Inhaltlich zum einen sehr deprimierend, zum anderen aber auch sehr spannend und interessant.
Im Kern gut, aber ich fand viele Bereiche etwas langatmig. Den Inhalt hätte man auch auf 2/3 oder gar der Hälfte der Seiten erzählen können. Die deutsche Übersetzung empfand ich als hochwertig und gut.
Heilsbringer ist die freie Marktwirtschaft. Jedenfalls wenn es nach den Autoren geht, und insbesondere im Bereich der Autobahnen in Deutschland. Für Eisenbahn, Schiffahrt und Luftfahrt liegt die Schuld am Föderalismus in Deutschland und der Tatsache, dass Fernverkehr überwiegend Ländersache ist.
Mir persönlich erscheint das etwas zu einfach. Dazu kommt, dass zwar zahlreiche Studien und Positionspapiere erwähnt werden, es aber keine Quellennachweis gibt. Wenn mal sich die Zahlen und insbesondere die Methodik der einen oder anderen Studie mal selber anschauen möchte, wird das ohne saubere Quellenangaben schwierig. Aber die Autoren sind eben Journalisten, keine Wissenschaftler. Es ist zudem deutlich spürbar, dass die Autoren Freunde der freien Fahrt für freie Bürger sind, was sich sehr wahrscheinlich auf die Objektivität auswirkt. Manche von den Autoren selbst durchgeführten Berechnungsbeispiele, insbesondere zum Kostenvergleich von Autobahn zu Fernzug hinken. So werden bei der Bahn auch Stromkosten für Bahnhofsbeeuchtung und -betrieb mit eingerechnet Autobahnraststätten bleiben aber außen vor. In dem Buch geht es ausschließlich um Fernverkehr.