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The Year of the Witching
 368 Seiten

Diese Geschichte hatte großes Potenzial, hat es aber nur zum Teil ausgeschöpft. Das Buch wurde als großartiges feministisches Debut beworben, und es ist auch zum Teil so, dass tolle Botschaften vermittelt werden, aber dennoch ist mir der Roman nicht weit genug gegangen und zu wenig aus dem eng gesetzten Setting ausgebrochen.

Positiv:

- Die Protagonistin entwickelt sich dahingehend gut, dass sie für alle Betroffenen einstehen und alle retten will, weil sonst nichts besser werden würde.

- Einige Szenen mit den Hexen waren wirklich atmosphärisch geil und gruselig.

Meh:

- Das Setting ist und bleibt zu eng: die Geschichte spielt im fiktiven Bethel, das von einer Sekte geführt wird, die an christlichen Fundamentalismus angelehnt ist. Von Hexenverfolgung und -verbrennung über Männer, die Frauen komplett unterwerfen, ist alles dabei.

Nach dem Klappentext habe ich ein Buch erwartet, in dem die Protagonistin sich mit Hexen und weiteren Betroffenen verbündet und gemeinsam gegen die patriarchale und gewaltvolle Herrschaft kämpft.

Tatsächlich habe ich eine Protagonistin bekommen, die mehr oder weniger alleine kämpft und sich nur mit einem einzelnen Mann verbündet, der vollkommen random einfach anders und besser ist als die herrschenden Männer. Wirklich weitere Personen, die für die Handlung super wichtig sind, gibt es nicht.

- Das Setting ist zu biologistisch und zu binär: die strenge Unterteilung in Männer und Frauen bleibt durchs ganze Buch so; die ständige Überbetonung der ersten Menstruation als Marktwert für junge Frauen wird genauso wenig aufgelöst. Insgesamt wird leider kaum ein Gedanke daran gesetzt, das komplette Setting zu sprengen und daraus auszubrechen.

- Und mal ganz ehrlich: da gab es so eine gute Vorlage für ein lesbisches Pärchen und es wurde einfach nicht genutzt, ich heule.