Lesetagebuch
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Macbeth
 624 Seiten
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Jo Nesbø hat Shakespeares Drama Macbeth in die Hand genommen und es in einer modernen Fassung nacherzählt. Seine Adaption ist ein Thriller, der im Polizeimilieu einer fiktiven schottischen Kleinstadt spielt, deren Bild mehr als trostlos gezeichnet wird: Arbeitslosigkeit, Bandenkriege, Drogen, Korruption. Mitten drin steht Hauptcharakter Macbeth, Kopf der SWAT-Einheit, der ganz wie das Shakespeare-Original an die Spitze kommen will. Und dafür schreckt er vor nichts zurück.

Nesbø bleibt nah an der Vorlage, schafft es aber trotzdem Leser*innen, die in der Vergangenheit keinen Berührungspunkt mit Shakespeares Original hatten, einen guten Thriller zu liefern, der sehr atmosphärisch ist und ein gutes Tempo hat. Wenn man aber das Drama kennt und anhand der Namen der Charaktere den Handlungsverlauf voraussagen kann, kann es vorkommen, dass an einigen Stellen die Spannung drunter leidet, was zumindest für mich phasenweise doch eher ernüchternd war. An dem Punkt war es wirklich gut, dass Nesbø den Umfang seiner Adaption soweit aufgebläht hat, dass genug Spielraum für sein eigenes Schreiben war. Das hat das Ganze für mich tatsächlich nochmal gerettet.

Womit ich aber tatsächlich noch etwas hadere, war tatsächlich die Darstellung von Lady. Hier wurde sie sehr einfache gehalten, etwas blass, was im Vergleich im Original schade ist. Hätte ich mir mehr erhofft, tut aber der Handlung keinen Abbruch. Gleichzeitig liefert Nesbø aber mit Duff, einem Gegenspieler Macbeths, einen der besten Charaktere, die mir bisher in der Literatur begegnet sind. War tatsächlich so die größte Überraschung des Romans.

Insgesamt ist Macbeth sehr lesenswert. Sowohl für Shakespeare-Kenner als auch für solche, die noch keinerlei Kontakt dazu hatten, ist das ein Thriller, den man gelesen haben kann. Ich persönlich hätte mich gefreut, das voreingenommen lesen zu können, aber ich glaube, ich werde es auch so irgendwann nochmal lesen.