Ich habe das Buch aufgrund des Titels gekauft. Und eigentlich Reiseberichte erwartet. In gewisser Weise sind das auch alles Reiseberichte. Aber nicht aus touristischer Sicht. Der belgische Journalist Helsen schließt sich "Ärzte ohne Grenzen" an und bereist mit deren Hilfe Länder, in die längst kein Tourist mehr kommt, weil zu gefährlich. Bürgerkriege, korrupte Regierungen und Flüchtlingslager säumen seinen Weg. In den Ländern spricht er mit Betroffenen, mit Zuständigen und mit Beobachtern. Und zeichnet aus den Aussagen ein recht überzeugendes Bild einer kaputten Welt. Mehr als einmal kam mir beim Lesen der Gedanke, wie wichtig es doch ist, an einer halbwegs funktionierenden Demokratie um jeden Preis der Welt fest zu halten. Von den 430 Seiten reich bebilderten Seiten ist es wirklich jede einzelne Wert, gelesen zu werden.
Der vordere Teil bringt überraschende Einsichten in Konjunkturzyklen, auch wenn das Layout des offensichtlich mit Microsoft Word gesetzten Buches eine Beleidigung für den Bücherfreund ist. Was mir nicht gefällt und in meinen Augen auch thematisch nicht in das Buch passt, sind die Seitenhiebe auf die Weltreligionen und der längliche Vergleich zwischen Christentum und Buddhismus in einem der zahlreichen Anhänge.
Am Anfang kommt man etwas schwer rein, wenn einem -- wie mir -- die volkswirtschaftlichen Grundlagen fehlen. Nach der Einleitung ändert sich das zum Glück und man kann dem Inhalt recht problemlos folgen. Ein paar Absätze und Passagen musste ich trotzdem mehrfach lesen, bis ich sie verstanden habe.
Ich beschäftige mich schon eine Weile mit Postwachstumsökonomie und Postkollapsgesellschaft. Deswegen waren viele Dinge für mich nicht mehr neu, sind aber jetzt mit allerlei theoretischen Grundlagen unterfüttert. Und ein paar Ideen des Autors für die Zukunft waren auch mir neu :-)
Eine 84-jährige Frau, geboren 1901, erzählt ihr Leben. In der Feder des Autors Christian Signol entsteht dabei eine Liebeserklärung an das einfache Leben auf dem Land, die Verbundenheit zur Natur und das daraus einfach existierende Glück. Unbedingte Leseempfehlung!
Der Untertitel sagt, es sei ein Buch "Über die Zukunft der Musik- und Medienindustrie". 2008 -- als das Buch erschien -- mag das noch so gewesen sein. In 2013 -- als ich das Buch gelesen habe -- hat sich die Geschichte teilweise selbst überholt. Machte mir aber nichts, der Teil über die Zukunft ist ohnehin nur das letzte Viertel.
Sehr viel besser und auch wirklich interessant fand ich die ersten drei Viertel des Buches: darin beschreibt Renner, wo Plattenfirmen ihren Ursprung haben und wie sie sich während ihrer noch relativ jungen Geschichte mehrfach gewandelt haben, um ihre Inhalte ein zweites, drittes und viertes Mal zu Geld zu machen. Und das -- glaubt man Renner -- sehr profitabel. Dass man dabei Trends verschläft oder ein zu starres Beharrungsvermögen hat (oder sich zu lange auf den verdienten Lorbeeren ausruht), kann ich sofort nachvollziehen.
So belanglos und oberflächlich ich "Marken-Konsumenten" halte bzw. vorverurteile, so belanglos ist die erste Hälfte dieses Buches. Ausführliche Selbstbemitleidung wie schwer der Verzicht auf Marken fällt, was da für den einzelnen alles dranhängt etc. Jemand, der Zeit seines bisherigen Lebens überwiegend abseits von Zielgruppen einkauft, kann über diese erste Hälfte nur mitleidig lächeln.
Der -- für mich -- beste Teil sind die 50 Seitein nach der Verbrennung, wo viel darüber kommt, wie Marken funktionieren und warum sie so funktionieren, wie sie funktionieren und welche Denkprozesse beim Autor ablaufen, um sich in seiner neuen Rolle zurecht zu finden.