So belanglos und oberflächlich ich "Marken-Konsumenten" halte bzw. vorverurteile, so belanglos ist die erste Hälfte dieses Buches. Ausführliche Selbstbemitleidung wie schwer der Verzicht auf Marken fällt, was da für den einzelnen alles dranhängt etc. Jemand, der Zeit seines bisherigen Lebens überwiegend abseits von Zielgruppen einkauft, kann über diese erste Hälfte nur mitleidig lächeln.
Der -- für mich -- beste Teil sind die 50 Seitein nach der Verbrennung, wo viel darüber kommt, wie Marken funktionieren und warum sie so funktionieren, wie sie funktionieren und welche Denkprozesse beim Autor ablaufen, um sich in seiner neuen Rolle zurecht zu finden.
Ich habe das Buch aufgrund des Titels gekauft. Und eigentlich Reiseberichte erwartet. In gewisser Weise sind das auch alles Reiseberichte. Aber nicht aus touristischer Sicht. Der belgische Journalist Helsen schließt sich "Ärzte ohne Grenzen" an und bereist mit deren Hilfe Länder, in die längst kein Tourist mehr kommt, weil zu gefährlich. Bürgerkriege, korrupte Regierungen und Flüchtlingslager säumen seinen Weg. In den Ländern spricht er mit Betroffenen, mit Zuständigen und mit Beobachtern. Und zeichnet aus den Aussagen ein recht überzeugendes Bild einer kaputten Welt. Mehr als einmal kam mir beim Lesen der Gedanke, wie wichtig es doch ist, an einer halbwegs funktionierenden Demokratie um jeden Preis der Welt fest zu halten. Von den 430 Seiten reich bebilderten Seiten ist es wirklich jede einzelne Wert, gelesen zu werden.
Der vordere Teil bringt überraschende Einsichten in Konjunkturzyklen, auch wenn das Layout des offensichtlich mit Microsoft Word gesetzten Buches eine Beleidigung für den Bücherfreund ist. Was mir nicht gefällt und in meinen Augen auch thematisch nicht in das Buch passt, sind die Seitenhiebe auf die Weltreligionen und der längliche Vergleich zwischen Christentum und Buddhismus in einem der zahlreichen Anhänge.
Angeregt durch den Konsum in der Vorweihnachtszeit beschließt die Autorin, zusammen mit ihrem Lebensgefährten, im folgenden Jahr soweit wie möglich auf Konsum zu verzichten. Erlaubt ist nur noch, was unbedingt notwendig ist. Keine Schuhe mehr, keine Handtaschen, aber auch kein Kino und kein Abendessen im Restaurant mit Freunden mehr. Das Buch beschreibt dazu im Stil eines Tagebuches Gedanken und Erlebnisse der Autorin mit ihrer Umwelt.
An manchen Stellen wir mir persönlich das Buch etwas zu philosophisch, und mir persönlich wäre ein so extrem eingeschränkter Konsum zu viel. Trotzdem ein interessantes, anregendes Buch.